Ergo Fallersleben

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Neurologie

Perfetti-Konzept

Das PerfettiKonzept kommt hauptsächlich bei neurologischen Erkrankungen wie z.B. Schlaganfall zum Einsatz.
Demnach setzen die PatientInnen ihre Kognition (geistigen Fähigkeiten) ein, um ihre Bewegungs und Wahrnehmungsfähigkeit zu verbessern.
Zum Beispiel sollen sie ihre Aufmerksamkeit aktiv auf pathologische Verhaltensweisen lenken, diese wahrnehmen und kontrollieren lernen. Dabei wird die im ZNS gespeicherte physiologische Bewegung immer wieder mit der ausgeführten verglichen, diese korrigiert.
Tastsinn und Tiefensensibilität spielen eine wichtige Rolle bei der Organisation von Bewegung. Die Patienten schließen während der kognitivtherapeutischen Übungen die Augen, um sich auf diese Wahrnehmungskanäle besser konzentrieren zu können und eine Kompensation durch das visuelle System auszuschließen.

Es gibt 3 Übungsarten:
I.Grades
Die Bewegungen werden von dem Therapeuten geführt
II.Grades
Die Bewegungen werden noch geführt, der Patient übernimmt Anteile der Bewegung
III.Grades
Der Patient bewegt zunehmend alleine

Die therapeutischen Übungen werden auf den Grundlagen des PerfettiKonzeptes aufbauend auf jeden Patienten individuell abgestimmt. Dabei werden Materialien verwendet, die verschiedene Wahrnehmungs und Bewegungsaufgaben bieten.

Hirnleistungstraining

Das Hirnleistungstraining kommt bei der Behandlung von kognitiven und neuropsychologischen Krankheitsbildern und daraus resultierenden Fähigkeitsstörungen zum Einsatz. Oftmals haben Menschen nach schweren Krankheiten oder Therapiemaßnahmen, wie die Chemo und Bestrahlungstherapie, dem Schlaganfall, mit Gedächtnis und Konzentrationsstörungen zu kämpfen. Ihnen kann ein gezieltes Training helfen, bei dem die Wiederherstellung und Optimierung der kognitiven sowie intellektuellen Funktionen angestrebt wird.

Dabei werden folgende Fähigkeiten ganz besonders trainiert:

  • Konzentrationsfähigkeit
  • Merkfähigkeit
  • Kurz und Langzeitgedächtnis
  • die Wahrnehmung
  • der Orientierungssinn
  • Problemlösungsstrategien
  • Lernfähigkeit
  • selektive und geteilte Aufmerksamkeit
  • Vigilanz (Wachheit), Reaktionstempo, zeit und geschwindigkeit
  • sprachlogisches und numerisches Verständnis

Das Hirnleistungstraining wird speziell auf den Patienten abgestimmt. Diesem stehen während des Trainings viele verschiedene Methoden zur Verfügung. Zum einen werden sowohl computerbasierte Übungen, als auch Arbeitsblätter und Therapiematerialien eingesetzt, zum Anderen werden sehr häufig Alltagssituationen nachgestellt, mit Hilfe derer der Patient lernt, seinen Alltag wieder (weitestgehend) selbstständig zu bewältigen.

Hirnleistungstraining_2_Neurologie

Alltags- und Selbstständigkeitstraining

ADL stammt aus dem Englischen und steht für „activities of daily life“. Übersetzt sind dies allgemeine Tätigkeiten des Alltags. Darunter versteht man in der Ergotherapie Therapieformen zum Erhalt bzw. zur Wiedererlangung der Selbstständigkeit im Alltag, z.B. sich anziehen, den Haushalt erledigen oder ähnliches. Im Selbsthilfetraining erlernt der Patient unter Anleitung des Therapeuten, wie er sich trotz Behinderung (z. B. Halbseitenlähmung) wieder selbständig waschen und anziehen sowie ohne Hilfe essen kann.

Dabei kommen Kompensationsstrategien, „Tricks“ und Hilfsmittel zum Einsatz.

Inhalte des Selbsthilfetrainings:

  • Körperpflege
  • An und Ausziehtraining
  • Zubereiten von Mahlzeiten
  • Nahrungsaufnahme (Essen und Trinken)
  • Einkaufstraining
  • Haushalts und Küchentraining
  • Umgang mit Hilfsmitteln (Rollstuhl, Strumpfanziehhilfe, Einhänderbrett, etc.)
  • Selbständiges Umsetzen, z.B. vom Bett in einen Rollstuhl

Oft geht es auch um das Erlernen von Einhändertechniken z.B. beim Waschen, Anziehen und Essen und den Einsatz von Hilfsmitteln. Es führt zu einer gesteigerten Selbständigkeit und kann die Pflegebedürftigkeit deutlich verringern.

Spiegeltherapie

Die Spiegeltherapie ist eine spezielle Behandlungsform, die ursprünglich entwickelt wurde, um Patient:innen nach Amputationen im Falle von auftretenden Phantomschmerzen zu helfen. Heute wird sie vor allem während der Rehabilitation eingesetzt, aber auch bei neurologischen Beeinträchtigungen und funktionellen Beschwerden. Mithilfe der Behandlung wird versucht, Schmerzen zu reduzieren und die motorischen Fähigkeiten der Betroffenen zu fördern.

Wann wird die Spiegeltherapie angewendet?

Die Spiegeltherapie wird heute nicht nur zur Behandlung von Phantomschmerzen genutzt, sondern auch oft bei folgenden Krankheitsbildern eingesetzt:

  • Schlaganfall
  • Entzündungen des Nervensystems
  • Lähmungen
  • Hirnorganisches Psychosyndrom
  • Schädelhirntrauma
  • Parkinson
  • Zerebralparese
  • Multiple Sklerose
  • Hirnblutung
  • Hirntumor
  • ALS
  • Hirnverletzung
  • Hirnhautentzündung
  • Chronisches Schmerz Syndrom

Je nach Erkrankung zielt die Spiegeltherapie darauf ab, Schmerzen zu lindern, Schwellungen zu vermindern, die Körperwahrnehmung zu schulen, Mobilität zurückzuerlangen und funktionelle Beeinträchtigungen bestmöglich zu reduzieren. Im Umkehrschluss wird auch das allgemeine körperliche Wohlbefinden und die Lebensqualität der Patient:innen positiv beeinflusst.

Das entscheidende Hilfsmittel dieser Therapieform ist ein Spiegel sowie die Vorstellungskraft der Patient:innen. Sie positionieren sich so, dass der Spiegel sich aufrecht an ihrer Körpermitte befindet und das gesunde Körperteil reflektiert, während das geschädigte sich hinter dem Spiegel befindet. Ziel ist es mittels der Illusion einer vorhandenen gesunden Extremität das Gehirn der Betroffenen zu täuschen bzw. zu stimulieren und so die die Reaktion der Schmerzrezeptoren abklingen zu lassen. Dabei aktivieren Patient:innen mit Phantomschmerzen mit ihrer Vorstellung bewusst Bewegungsabläufe.

Darüber hinaus soll die funktionelle Mobilität mit motorischen Reizen bei Patient:innen mit einer Sensibilitätsstörung oder Lähmungen gefördert werden, entweder mit einzelnen Bewegungen oder komplexen Handlungsabläufen. Die Therapierenden setzen auch sensorische Reize auf dem intakten Körperteil an, insbesondere Massagebürsten oder einen Igelball. Der Ablauf muss regelmäßig wiederholt werden, damit die Therapie effektiv Wirkung zeigt.